Selbstbewusst glücklich werden

Gleich drei Autoren werden hier zitiert. Sie alle sind der Meinung, dass wir unser Glück nicht durch die Ehe finden, sondern dass wir für unser Glück und das des Partners sorgen müssen. Alle drei Beiträge sind ein Gegenentwurf zur „totalen Harmonie“.

Liebe erhalten

Eine überraschen große Anzahl von Wissenschaftlern hat sich mit dem schwierigsten Teil der Liebe beschäftigt: Sie zu erhalten und mit ihrer Hilfe glücklich zu werden. Der kanadische Psychologe und Beziehungsberater Wissenschaftler Yvon Dallaire ist einer von ihnen.

Yvon Dallaire – Ehekonflikte und die Suche nach Glück

Wie viele andere Wissenschaftler und Ehetherapeuten auch geht er von einem Paradox aus: Zwar wird die Ehe geschlossen, um miteinander glücklich zu werden. Aber schon nach kurzer Zeit stellt sich heraus, dass sie eher die Quelle zahlloser Krisen und Konflikte ist. Woraus sich ergibt: Die Ehe dient nicht dazu, glücklich miteinander zu werden, sondern sie ist eine Herausforderung. Und: Für unser Glück sind wir selbst verantwortlich und niemand sonst – auch unsere Partner nicht. Diese Einstellung weicht von der üblichen „Ehetherapie“ ab, in der behauptet wird, Paarkonflikte ließen sich durch Kommunikation lösen.

Wenn Konflikte unlösbar sind, warum sollten wir sie lösen?

Folgen wir Yvon Dallaire, so sind die meisten Paarkonflikte emotional unlösbar. Das heißt, sie können auch durch Kommunikation („redet miteinander über …“) nicht gelöst werden. Allerdings lassen sie sich oft pragmatisch lösen. (Ich habe mein Geld, du deines, ich verbringe einen Teil meiner Freizeit ohne dich, und du auch. Ich reserviere mir Gedanken, die ich mit dir nicht teile, und du nimmst dir das gleiche Recht).

Ein glückliches Paar kann also Meinungsverschiedenheiten haben. Es sucht sein Glück im Gemeinsamen, nicht im Trennenden. Oder, mit Yvon Dallaire: Sie haben beschlossen, lieber glücklich zu sein als recht zu haben.

Ferner ist es gut und richtig, Wünsche und Bedürfnisse zu äußern, während Kritik am anderen sinnlos und unfruchtbar ist.

Armand Lequeux – wenn Du glücklich bist, bin ich es auch

Ähnlich sieht es Armand Lequeux, ein Gynäkologe und Sexualwissenschaftler aus Belgien- er fügt hinzu, wie wichtig Distanz und Nähe sind, und empfiehlt, niemals den „goldenen Mittelweg“ zu suchen, sondern das Ausmaß an Nähe und Distanz zu variieren.

Zudem hat er festgestellt, dass die Freude am Glück des anderen noch wichtiger ist, als das eigene Glück, denn „Liebe ist eine tägliche Entscheidung.“

Dirk De Wachter – das Begehren erhalten

Noch tiefer in die Paradoxie des Glücks taucht der Belgier Dirk De Wachter ein. Denn in Wahrheit lieben wir den andern nicht nur, er stört uns auch. Wir erkennen in ihm, das wir eben nicht so ideal und perfekt sind, wie wir zu sein glauben. Der andere erweist sich – auch langfristig – als anders. „Die Unerfülltheit der Liebe erhält unser Begehren lebendig und vertieft es wiederum“, schreibt er.

Daraus ergibt sich für ihn, dass eine lang andauernde Liebe auf einem Paradox beruht: Wir kennen den anderen nicht wirklich, wir verstehen ihn nicht tatsächlich, er bleibt lange Zeit (oder auf Dauer) geheimnisvoll und zumindest teilweise unberechenbar. Lassen wir ihm also die Freiheit, „unbekannt und fremd“ zu sein.

Wenn wir unvollständig übereinstimmen, erhöht diese die Spannung in der Liebe. Das Begehren bleibt erhalten.

Meinung

Die Beispiele zeigen, dass nicht alle Eheberater, Psychiater und Psychotherapeuten das Glück in der Harmonie sehen. „Eine Kultur, in der wir den anderen zum Abbild formen wollen, tötet das Begehren,“ sagt Dirk De Wachter, der die Liebe vor allem als Leidenschaft sieht. Die beiden anderen Autoren haben eher den Alltag im Sinn und sehen einen Vorteil darin, mit Konflikten zu leben und dabei das Glück zu finden.

Allerdings ist für diese Form des Glücks ein gesundes Selbstbewusstsein nötig, und zwar von Anfang an. Es gibt so gut wie keine Ehe, in der nicht wenigstens einer der Partner versucht, am anderen „herumzuschrauben“. Freilich muss man den einen oder anderen Kompromiss im Zusammenleben finden, aber es darf niemals an die persönliche Substanz gehen. Und freilich formen wir uns alle in der Ehe um, aber dies darf nicht eingefordert werden.

Noch etwas ist wichtig, falls man den Praktikern, die hier zu Wort kommen, folgen will: Wenn die Beziehung oder Ehe einseitig geführt wird, ist es oft nicht möglich, die Balance zu halten, die in Paradoxien und Konflikten wünschenswert ist. Am besten eignen sich die Vorschläge daher fügt gleichberechtigte Beziehungen unter selbstbewussten Partnern.

Quellen: Internetbeiträge der Autoren und „The World Book of Love“, Köln 2013

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